Die Geschichte des Siedlerverein Küniglberg

Die heute florierende Anlage des SV Küniglberg – direkt in der Einflugschneise des ehemaligen Militärflughafens gelegen – kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Es war ein steiniger Weg von den Anfängen 1945 bis zum heutigen Dauerkleingarten, wobei die Dauerkleingartenwidmung und die Erschließung im Jahre 1992 wohl die größten Meilensteine waren. Noch weitere Ausbaumaßnahmen sind geplant und werden nach Maßgabe der finanziellen Möglichkeiten durchgeführt. Hier gibt es allerdings noch Raum für soziale Rücksicht – schließlich soll niemand gezwungen sein, seinen Garten aufgrund von Beitragserhöhungen aufzugeben.

Die ersten Kleingartenanlagen im Raum des heutigen 13. und 14. Bezirks entstanden schon während dem Ersten Weltkrieg in Form von Kriegsgemüsegärten. Am Küniglberg, ähnlich wie am Roten Berg, befand sich dagegen die Grundfläche zu jener Zeit noch größtenteils in Privatbesitz. Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Bereich der heutigen Kleingartenanlage Flakstellungen und zahlreiche Bunker errichtet. Die Fläche wurde parzelliert und war für die Errichtung einer Offizierssiedlung vorgesehen, was jedoch nicht realisiert wurde. In der darauffolgenden Besatzungszeit wurde von den Briten eine Landebahn für Kleinflugzeuge (Bereich heutiger Parkplatz und angrenzende Gärten) angelegt. Erst im Jahre 1945 begann am Küniglberg die Anlage von Grabelandparzellen.

Mit Gründung des SV Küniglberg im Jahre 1947 war jene wichtige Organisationsstruktur geschaffen, welche bis zum heutigen Tage die Mitglieder maßgeblich bei der Bewirtschaftung und Erhaltung der Gärten unterstützt. Der Vereinsvorstand vertritt seither die Belange der Mitglieder gegenüber den Behörden und kämpft um die Bestandssicherung und den Ausbau der Anlage.

1954 hat die Gemeinde Wien als Grundeigentümerin die Schleifung der am heutigen Spielplatz westlich der Anlage an der Elisabethallee gelegenen Gärten veranlasst. Nur einigen Mitgliedern konnten ersatzweise andere Gärten angeboten werden. Erst nach zehn Jahren, in denen das betreffende Gelände als Brachland verwahrloste, hat die Gemeinde darauf einen großzügigen Spielplatz angelegt.

1959 beschloss der Gemeinderat, den Restwald im Westen der Kleingartenanlage zum Parkschutzgebiet zu widmen. Möglichen Grundstücksspekulationen und Verbauungsplänen war damit endgültig ein Riegel vorgeschoben und die KleingärtnerInnen konnten erleichtert aufatmen. Die Grün- und Ruhelage, ohnedies durch die vom ORF hervorgerufene Verkehrsbelastung bereits etwas vermindert, wurde damit endgültig gesichert. Leider wurden aber in der Folge von der Gemeinde die jenseits des heutigen „Waldweges“ gelegenen Gärten geschliffen und die betreffende Grundfläche in das Parkgebiet integriert.

Erst in den 80er Jahren zeichnete sich eine Änderung der politischen Haltung gegenüber dem Kleingartenwesen ab. Zahlreiche Signale und Willensbekundungen seitens der Kommunalpolitik gaben Grund zur Hoffnung, dass der Schrebergarten am Küniglberg eine Zukunft hat. 1980 erlebte dann der Siedlerverein den ersten großen Umschwung in diese Richtung, nämlich eine Verlängerung der Pachtverträge auf zehn Jahre. Der Bestand der Anlage wurde damit zunächst für einen etwas längeren Zeitraum gesichert, und die Mitglieder wagten erste größere Investitionen. So manches schmucke Gartenhäuschen oder Blockhaus wurde infolgedessen errichtet. Die längst fällige Erschließung der Anlage rückte damit auch in den Bereich des Möglichen, und so wurde 1985 der sogenannte Umwidmungsschilling, ein alljährlich von den Mitgliedern eingehobener kleiner Aufbaubeitrag, eingeführt.

Dennoch kam es 1984 -1986 zur bis dato letzten Schleifung von Kleingärten am Küniglberg. Die BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) als damalige Eigentümerin verkaufte den Grund nördlich der Hanselmayergasse an ein privates Immobilienunternehmen. Erstmals konnten jedoch durch das Engagement des Obmanns alle Betroffenen entschädigt werden. So wurden allen InteressentInnen ersatzweise andere Gärten innerhalb der Anlage vermittelt, in einem Fall hat der Verein den Wert abgelöst. Die Gemeinde überließ dem Verein zu diesem Zweck unentgeltlich das Gebiet der ehemaligen Landebahn des seinerzeitigen Militärflughafens an der Elisabethallee als Pachtgrund. Die Erschließungskosten hatte allerdings der Verein selbst zu tragen. Im Gegenzug musste nach der Schleifung die Wiese nördlich der Hanselmayergasse planiert werden. Dies wurde durch das bei der Erschließung anfallende Aushubmaterial ohne weitere Zukäufe bewerkstelligt. Die nach der Parzellierung und Vergabe verbliebene Fläche hat der Verein zu einem Parkplatz umgestaltet.

Die Sanierung der Wege begann 1990, wobei der Hauptweg durch einen Mittelstreifen aus Asphalt befestigt wurde und nunmehr bei jeder Wetterlage gut begehbar ist. Im Jahr 2006 wurden ebenfalls am Hauptweg Bodenschwellen eingebaut – eine Maßnahme, die sicherstellen soll, dass das vorgeschriebene Schritttempo beim Zufahren nicht überschritten wird. Seit 2004 wird durch den Verein die Begehbarkeit der Hauptwege im Winter sichergestellt. Eine Schneefräse wurde angekauft und die regelmäßige Schneeräumung etabliert.

Die technische Infrastruktur bestand anfangs lediglich aus einem Wasserleitungsnetz aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, das ursprünglich für Löschzwecke installiert worden war. Anträge auf Stromversorgung wurden vom E-Werk über Jahrzehnte zurückgewiesen. Mangels eines Kanalanschlusses verfügten die einzelnen Gärten bestenfalls über Senkgruben, viele hatten nur Campingklosetts und selbst der gute alte Kübel unter einem Brett mit Loch hatte bis dato Saison.

Nachdem der Bestand der Anlage nach jahrelangem Bangen endlich gesichert war, war es dem Verein möglich, die Investition für die Erschließung zu wagen.

Weiters leistete jedes Mitglied einen Kostenbeitrag, wobei der Vereinsvorstand günstige Finanzierungsmöglichkeiten vermittelte. 1992 war es dann so weit – nachdem vom Vereinsvorstand unter enormem Einsatz die Hürde der behördlichen Genehmigungen genommen war, wurde mit den Arbeiten begonnen. Ein Stromnetz wurde installiert und der Kanal- und Gasanschluss verlegt. Selbstverständlich war die gesamte Anlage von den Arbeiten betroffen. Kein Garten blieb unversehrt und sämtliche Wege waren aufgebrochen. Viele der Mitglieder konnten ihre Gärten durch Monate lang nur durch einen Balanceakt über Bretter und Abgründe erreichen. Das Maß des Aufwandes auf Seiten des Vereinsvorstandes für die Organisation und Koordination der Arbeiten lässt sich nur erahnen. Die Berücksichtigung der damit verbundenen Anliegen, Wünsche und Sorgen jedes einzelnen Mitgliedes stellte sicherlich eine massive Herausforderung dar. Als wesentliche Stütze ist der seinerzeitige Gartenwart Otto Steiner zu erwähnen. Seinem unermüdlichen Einsatz als Polier ist weitgehend die reibungsfreie Abwicklung der Arbeiten zu verdanken. Aber innerhalb von nur einer Gartensaison war der Großteil des Kraftaktes vollbracht und die Qualitätssteigerung der Anlage enorm.

1992 wurde in einem Gemeinschaftsakt das Vereinshaus errichtet – ein wichtiger Schritt für das Gemeinschaftsleben des Kleingartenvereins. Lange Jahre des Sparens und der Kapitalbeschaffung gingen dem Projekt voraus. Die finanziellen Mittel stammten ausschließlich aus den Einnahmen der Sommerfeste, die in unermüdlichem Einsatz von Gartenfreunden alljährlich für die Vereinsmitglieder veranstaltet werden. Bei den Ausbauarbeiten wie z.B. dem Anstreichen und Ausmalen legten mehrere Vereinsmitglieder selbst mit Hand an. Darüber verpflichtete man all jene Firmen, die den Zuschlag für die Erschließungsarbeiten erhalten hatten, die entsprechenden Installationen im Keller des Vereinshauses unentgeltlich herzustellen.

Am 8. März 1996 erfüllte sich für den SV Küniglberg endlich der lange gehegte Traum vom Dauerkleingarten. Die Liegenschaft erhielt die Eklw-Widmung für ganzjähriges Wohnen, womit eine Verbauungserlaubnis bis 50 m2 verbunden ist. Die Pachtverträge werden seither auf unbestimmte Zeit ausgestellt, somit sind  die unsicheren Zeiten endgültig vorüber. Zahlreiche hübsche Einfamilienhäuschen wurden inzwischen errichtet.